
Herbst 1989: 29 Jahre, arbeitete beim Reclam-Verlag als Lektorin; zwei Töchter, Diplom-Lehrerin für Erwachsenenbildung; Mitgründerin des ersten Mütterzentrums in Leipzig, Eröffnung am 13.10.1990… weitere folgten; heute gefragte Referentin & Workshop-Leiterin in der Familienbildung, in verschiedenen Vereins- und Unternehmensbereichen sowie Einzel- und Gruppenberatung tätig.
Raymonde Will
„ … Ich hätte mich eigentlich schon an politischen 89er Aktivitäten beteiligt, bin aber von meinem Mann und meiner Familie davon abgehalten worden, mich als Schwangere (2. Kind) in diese Zusammenhänge zu bringen. Das heißt, ich habe mir das aus der Ferne angeguckt und kam mir doof vor und habe gedacht, das ist irgendwie nicht die richtige Zeit, ein Kind zu bekommen … und war teilweise auch sehr unglücklich.
… Ich habe mich dann viel mit Erziehung, mit Eltern-Kind-Bindung beschäftigt, wollte auch selbst mein Kind tragen, hatte aber keine Ahnung, woher ich ein Tragetuch kriege… oder wie man das überhaupt macht. Eines Tages habe ich eine Frau gesehen, die ihr Kind trug… der bin ich hinterhergerannt. Und das war für mich der Anfang des Mütterzentrums.
… wie viele in meiner Generation mit dem Hintergrund DDR hatte ich ein bisschen Vorurteile – was pure Frauenzusammenschlüsse betrifft. Aber dieses Zusammenarbeiten, dieser Austausch, dieses authentische – teilweise mit erschütternder Ehrlichkeit geführte – Gesprächsleben, das war für mich eine neue Erfahrung. Das war unglaublich bereichernd. Das war meine erste positive Erfahrung mit Frauen, ein Erleben von Solidarität statt Konkurrenz, Zusammenhalt statt Bewertung nach Äußerlichkeiten und
allem, was damit einherging. Und was da für eine Kraft in diesen Frauen steckte, die Ideen dann auch umzusetzen.
Weiterlesen: in Familie, Gemeinschaft… waren wichtig.
Das gesamte Interview wird im gerade entstehenden Offenen feministischen Demokratie-Archiv | OfemDA einsehbar sein. Siehe hier