1989: 34 Jahre, Diplom-Kultur-/Literaturwissenschaftlerin (Abschluss an der Leipziger Universität); arbeitete in vielen Leipziger Kulturbereichen; bis ins Heute u.a. als Mitherausgeberin der Publikationsreihe LOUISEum der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V.; als Redakteurin/Autorin für das von ihr konzipierte Online-Portal „Frauen machen Geschichte. Leipziger Frauenporträts“ des Referats für Gleichstellung Leipzig und der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft e.V., beim Leipziger Erinnerungsportal und im Erinnerungsprojekt frauenorte Sachsen des Landesfrauenrates Sachsen e.V.

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Gerlinde Kämmerer

„… Unsere Studienrichtung war nach unserer Meinung nicht so hochpolitisch wie z.B. bei den DDR-Geschichtslehrern (heute Historiker), deren Studienabschluss anerkannt ist oder bei den Journalisten. … In verschiedenen Bundesländern, so auch in Sachsen, wurde der DDR-Abschluss Dipl.-Kulturwissenschaften nicht anerkannt. Die Anerkennung der Studien-Abschlüsse war Ländersache. … Diese „Nicht-Anerkennung“ war schon irgendwie entwürdigend – hat dann letztlich auf meinen Lebenslauf aber keinen Einfluss genommen.

… Anfang 1989 wurde mir eine richtige Verlagsstelle angeboten, beim Reprint Verlag Leipzig im Zentralantiquariat. (Mein Berufswunsch war ja Lektorin). Die Personalabteilung meinte aber: Wir brauchen viel dringender eine Filialleiterin für das Antiquariat … und so war ich also ´89 fast täglich mittendrin. … Wir saßen sozusagen im „Auge des Taifuns“ – direkt an dieser Ecke Nikolaikirche, wir hatten diese riesigen Schaufenster ringsum – und hinten am Nikolaikirchhof, gegenüber vom Grafikantiquariat war unser Ankauf. …

… Am 9. Oktober wurde uns Leitern gesagt, dass alle (Kollegen) bis 15 Uhr ihre Kinder abholen und nach Hause gehen sollen. Der Laden war ab 16 Uhr zu, die Innenstadt war „besenrein“ zu übergeben … Wir mussten dann die Einnahmen wegbringen zur Notenbank … hatten schon zuvor am Nikolaikirchhof diese Schilde und Polizeiausrüstungen gesehen … Und wir sind vorbei an den Wagen, Bereitschaftspolizei mit Hundestaffeln darauf. Und danach sollten wir nach Anweisung wie die anderen Ladenleiter … „in unsere Einrichtung zurückgehen und den Laden … bewachen“ … Wir sind allerdings nach Hause gegangen zu den Kindern…

Das gesamte Interview plus Foto-Sammlung wird im gerade entstehenden Offenen feministischen Demokratie-Archiv | OfemDA einsehbar sein. Siehe hier